Feuer in unseren Strassen -

ein Text von Ingo Lämmerhirt

Das Feuer raste durch unsere Straßen: Das Feuer der Leidenschaft. Es züngelte sich die Laternen hinauf, schlug zu im Obergeschoß, wand sich durch Flure in die Hinterhöfe der alten Häuser und öffnete die Türen der Winterseelen weit. Unzählbar die, die bereit waren das Feuer zu empfangen. Sie gierten förmlich nach einem zündendem Impuls. Wen es erwischte, versank in sich selbst für Sekunden, um sich sogleich neu zu erkennen und die volle Lebenslust aus sich herauslaufen zu lassen. Kinder der Einsamkeit fanden sich in lichtem Taumel zusammen. Sie pflanzten Blumen. Ließen aus verbrannter Erde Neues wachsen, sahen dabei zu und freuten sich über die kleinen Dinge, die sich ihnen so schön erschlossen.

Die Stimmen der Tanzenden in den Straßen verschlug der Stille die Sprache und sie mußte lachen. So brannte es bald an allen Enden der Stadt, an den trostlosesten Orten, in den dumpfsten Gemütern und den enttäuschtesten Lebensfrohen.

Der Regen kam unausweichlich. Als schwer gewordener Dampf der ausgelassen Tanzenden und der verdunsteten Tränen. Hier und da war das Feuer nur noch schwach, dort erlosch es ohne Widerstand im brausenden Regenguß.Auch die Stille ließ ihr Lachen in der Feuchtigkeit ertrinken und suchte die Orte, an denen die Menschen noch lachende Augen hatten und etwas von dem Feuer in sich hinein geholt. Manche Herzen funkelten nahezu. Etwas von dem Schönen in der Welt ließ sich hier finden.

Die Stille lächelte sanft in die frohen Herzen hinein, vergoss Zufriedenheit und nistete sich wieder ein wo sie konnte und nicht vom Geflüster zweier Menschen, die übermütig lachten, gestört wurde.

© 2000 Ingo Lämmerhirt

 

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